Innovation in Interpreting Summit

Vom 22. Februar ab 19.00 Uhr deutscher Zeit bis zum 25. Februar 2021 im Programm gibt es spannende Vorträge rund um Technik und Dolmetschen. Themen wie Notizentechnik, Technische Ausrüstung, Spracherkennung, Schutz unserer Arbeit und Profession, die Zukunft unserer Arbeit werden thematisiert. Es gibt eine Talkrunde zu neuen Praktiken im Gebärdensprachdolmetschen mit u. a. Maya de Wit und Oliver Pouliot. Konferenzsprache ist Englisch. Das alles ist kostenlos, Anmeldung hier https://www.innovationininterpreting.com/

Welche Kamera für mein Studio?

Eine interne Kamera ist nicht flexibel genug in ihren Einstellungsmöglichkeiten, um professionell online zu dolmetschen. Meine Empfehlung ist aktuell die Logitech C930e. Du kannst auch andere Kameras benutzen, die ähnliche Eigenschaften haben, nur keine mit Panorama Bildausschnitt. Ein Kamerawinkel bis 90 Grad ist OK. Man kann auch einen Camcorder per Live Capture Card anschließen. Im Kommen sind Apps, welche deine Smartphonekamera als externe Kamera an deinen Rechner anschliessen und steuern lassen, wie zum Beispiel die App camo von reincubate für iPhones. Wie das geht, seht ihr im Youtube Video von techforword. Am Beispiel meiner Logitech C930e, Mac und PC tauglich, zeige ich, worauf es anommt.

Die Kamera baraucht eine stabile Klappe, die hier mitgeliefert wird. Bei manchen Plattformen ist es vorteilhaft, die Kamerafunktion auf der Plattform beim Dolmetscherwechsel nicht auszuschalten, da die Bilder auf der Plattform verrutschen und man den Dolmetscher suchen muss. Bleibt die Kamera an, ist aber verdeckt, bleibt das Bild an der gleichen Stelle. Die Halterung der Kamera erlaubt stabiles Auflegen auf der Oberkante des Bildschirms, wobei der Neigungswinkel gut steuerbar ist. Ausserdem kann man sie an Standardstative anschrauben. Sie funtioniert mit USB-Anschluss und hat auch ein gutes eingebautes Mikrofon. Das Beste aber sind die Einstellungsmöglichkeiten durch die begleitende Software: Camera Settings. Die Bildgeschwindigkeit kann man oft direkt in den Plattformen einstellen.

Ich habe das Einstellungsfenster (rechts und oben im Foto zu sehen) während der Arbieit durchgehend geöffnet. So kann ich gut kontrollieren, ob ich noch in der Bildmitte bin und ggf. per Mausklick nachjustieren. Wichtig ist, dass man den Autofokus stets ausgeschaltet hat, denn unsere Hände bewegen sich vor uns und die Kamera versucht dann immer wieder den Fokus zu ändern. Dabei verschwimmt das Bild. Mit der Zoomfunktion kann der richtige Bildausschnitt (siehe unten) eingestellt werden, so dass die Ränder des Falthintergrunds nicht im Bild sind. Damit kann man einen Falthintergrund der Grösse 2 m x 1,5 m benutzen, der freundlicher ist für das Falten und Verstauen in kleineren Räumen. Der Bildausschnitt soll auf „Standard“ gesetzt sein.

Der richtige Bildausschnitt folgt der Formel „in MÜNCHEN GEBOREN“ zur Seite hin sollten die Ellbogen im Bild sein. Grundstellung: Um die Gebärden im Raum erfassbar zu machen, stehst du nicht frontal zur Kamera, sondern drehst dich etwa 30 Grad seitlich von den Füssen bis zur Schulter. Achtung, die Drehung nicht in der Hüfte machen. Der Hals dreht den Kopf dann frontal zur Kamera, der Blick geht bei direkter Ansprache direkt in die Kamera. Bei Stille (z. B. das Gespräch hat noch nicht begonnen aber du stehst schon da) geht der Blick deutlich an der Kamera vorbei.

Welche Erfahrungen habt ihr mit eurer Kamera gemacht? Könnt ihr eine andere empfehlen? Wer arbeitet schon mit Smartphonekameraapps?

Updates:

April 21: Irium App verwandelt Iphone in Webcam, kostenlos. Anleitung: Franks Vlog auf Youtube https://www.youtube.com/watch?v=fB9TaqLK3hc

Wäre es nicht toll, wenn wir unser Translat direkt von unserer Kamera aus streamen könnten? Die neue Logitech C922 Pro Steam kann das – aber, wie ich leider feststellen musste, ist die Bildqualität im Vergleich zur C930e so schlecht, dass ich die vielversprechende Kamera umgehend zurück geschickt habe. Wie ihr im Bild sehen könnt, ist es unschärfer und blasser. Es lässt sich zwar über die selbe App einstellen, erreicht jedoch keinesfalls die Bildschärfe und- qualität der C930e.

Beleuchtung

Eine gleichmäßige, ausgewogene Belichtung ist äußerst wichtig für die detaillierte Bildübertragung und somit Sichtbarkeit und Verständlichkeit des gedolmetschten Textes. Das Licht sollte frontal auf das Gesicht fallen und beide Seiten, ohne Schatten auf Gesicht und Hintergrund zu werfen.

Glühbirne mit Fernbedienung: Bei Conrad habe diese Glühbirne Farbe Tageslicht gekauft. Sie hat eine Fernbedienung, so dass man während des Einsatzes online die Helligkeit einstellen kann.

Die Glühbirnen können oben an die Decke oder auch in deine Studiostandleuchten.

Das empfehle ich sehr, wenn der Raum Fenster hat und sich die Lichtverhältnisse über den Tag ändern.

Natürlich gibt es diese auch von anderen Herstellern wie zum Beispiel Philipps, die sind aber viel teurer.

Bei der Tastatur muss man aber schon aufpassen, dass man sich nicht vertippt, sonst dolmetscht du im Discolook …

MDÜ-Artikel: Urheberrecht und Vergütung

Ich lese gerade das Magazin des BDÜ, das MDÜ 6/16. Darin gibt es einen Artikel über Urheberrecht und Vergütung. “…ist doch bloß für interne Zwecke …” S 22-24. Die Autoren sind Pablo Lineares und Ignacio Hermo.

Während unsere Lautsprachkolleginnen es mit Audioaufnahmen zu tun haben, geht es bei uns um eventuelle Videomitschnitte. Der Artikel gibt Tipps für den Umgang mit Mitschnitten.
Grundsätzlich gilt: “Nicht erst die direkte kommerzielle Nutzung des Dolmetschtons rechtfertigt also ein gesondertes Mitschnitthonorar. … Daher gilt das Urheberrecht aus gutem Grund auch für das Produkt der Verdolmetschen: Wie bei anderen Werken, die sich auf Tonträgern aufzeichnen lassen, wird der Urheber nicht nur für seinen Arbeitsaufwand entlohnt, sondern auch an dem Nutzen beteiligt, den er mit seiner Tonaufnahme schafft.”
„Um Missverständnissen vorzubeugen, … kann eine in den Vertrag integrierte Klausel Klarheit schaffen:
Aufzeichnung und Veröffentlichung:
– Die Verdolmetschen erfolgt ohne jede Aufzeichnung.
– Die Verdolmetschen wird für interne Zwecke aufgezeichnet. Das Zusatzhonorar beträgt xxx Eur. (z. B. 50% des Tageshonorars pro Aufzeichnung)
–  Die Verdolmetschen wird zum Zwecke der Veröffentlichung aufgezeichnet. Das Zusatzhonorar beträgt xxx Eur” (z. B. Gagenliste des Verbandes Deutscher Sprecher e. V. Ausserdem siehe Präsentation im Rahmen des “Dolmetscher-für-Dolmetscher“-Workshops der AIIC 2016 in Berlin, “Kalkulation von Aufzeichnung- und Verwertungshonoraren am Beispiel der deutschen Sprecherbranche”)

InDialog 15: Beverley Costa über die Dynamik zwischen Therapeut, Patient und Dolmetscher in psychotherapeutischen Settings

Psychotherapie in der Muttersprache

Beverley Costa praktiziert Psychotherapie mit mehrsprachigen Klienten. Da der Bedarf nach fremdsprachlicher Therapie in einer Metropole wie London groß ist, gründete sie Mothertongue, eine Organisation, der auch öffentliche Gelder zufliessen. Dort können Menschen, die eine Therapie in einer anderen Sprache als Englisch machen möchten, Therapeuten in ihrer Muttersprache finden – oder Therapeuten, die mit Dolmetschern zusammenarbeiten. Sowohl diese Therapeuten, als auch die Dolmetscher sind auf dieses Setting mit besonderen Anforderungen trainiert.

Wie arbeiten monolinguale und multilinguale Therapeuten mit fremdsprachigen Patienten?

Costa verglich die therapeutische Arbeit von mehrsprachigen und einsprachigen Therapeuten und hält die Ergebnisse in diesem sehr lesenswerten Aufsatz fest: Psychotherapy across Languages: beliefs, attitudes and practices of monolingual and multilingual therapists with their multilingual patients. Sie fasst darin zusammen, dass das Teilen der Muttersprache im psychotherapeutischen Setting einen erheblichen Einfluss auf den Zugang zu den Gefühlswelten der Klienten, und somit zum Erfolg der Therapie hat. Denn jede neue Sprache gestaltet einen anderen Selbstentwurf mit ihr eigenen Emotionspalette.

Mithilfe der Beziehungstheorie erklärt Costa, dass in den frühen Jahren die erste Sprache des Kindes, eben die Art und Weise ist, wie es sich von der Mutter trennt und sich zu anderen in Bezug setzt. Daher sind Spracherwerb und die Erfahrung von Trennung unauflöslich miteinander verknüpft. Die Auswahl der Sprachen macht es möglich, Gefühle, die zu schmerzhaft in der einen Sprache sind, abzuspalten und über eine andere Sprache zu kultivieren. Diese Abspaltung kann zur Entfremdung von sich selbst und anderen führen, eventuell jedoch kann auf kreative Art und Weise eine neue Selbsterfahrung formuliert werden.

Mehrsprachige Therapeuten

Es gibt immer mehr Therapeuten mit eigenem Migrationshintergrund. Wenn diese mit ihren Klienten ihre Muttersprache teilen, befinden sie sich in einem ähnlichen Wahrnehmungsraum wie das Kleinkind und seine Bezugsperson. In dieser Vertrautheit sind die Gefühle, Affekte und frühkindlichen Traumata womöglich einfacher zugänglich als in einer Fremdsprache. Der Klient fühlt sich geborgen, ist weniger gestresst und ist froh, dass er nicht alles erklären muss. Die Sitzung ist weniger bedrohlich. Die Therapeutin muss auf die Wahrung ihrer Professionalität achten, denn sie wird Informationen von sich preisgeben, sich zu sehr mit ihm zu identifizieren und eine Kollusion zu riskieren – die therapeutisch wichtige Distanz zum Klienten muss gewahrt werden, damit die Therapeutin ihrem Klienten helfen kann, sein Leben mit einem neuen Blick zu sehen, und nicht mit seinem eigenen.

Einsprachige Therapeuten

Spricht die Therapeutin womöglich nur die Sprache der Mehrheitsgesellschaft, von der sich der Klient unterdrückt fühlt, ist die Situation gezeichnet von Machtgefälle und Isolation. Wenn die Therapeutin der Muttersprache des Klienten Raum gibt, um darin geäußerte Gefühle zuzulassen, riskiert sie die Sicherheit des Klienten. Kann die Therapeutin damit umgehen, bietet diese Konstellation aber auch Vorteile. Costa schlägt vor, den Klienten selbst seine Äußerungen zu übersetzen, und, an anderer Stelle, mit qualifizierten Dolmetschern zu arbeiten. Therapeut und Klient können darüber reflektieren, wie Sprache und Kultur unser Verhalten prägen und aus alten Wahrnehmungsmustern ausbrechen: wir sind nicht an das gefesselt, mit dem wir aufgewachsen sind sondern haben die Möglichkeit zu wählen.

Schlüsselfaktor: Ausbildung der Therapeuten und Dolmetscher

Diese Komplexität der Emotionen und die Mechanismen für den Zugang zu diesen sind wenigen Therapeuten bekannt und werden unterschätzt. Dabei könnten sowohl einsprachige, als auch mehrsprachige Therapeuten effektiv mit fremdsprachigen Klienten arbeiten, wenn sie diesbezüglich aus- bzw. fortgebildet würden. Der Umgang mit Dolmetschern gehört auch dazu.

Therapie mit Dolmetschern

Auf der Inndialog ging Costa auf die Konfliktpotentiale des triadischen Settings in der Therapie ein. Mithilfe des Dramadreiecks, der bewährten Transaktionsanalyse von Steve Karpman unterscheidet sie die Rollen Täter-Opfer-Retter. Therapeut, Klient und Dolmetscher finden sich in diesen Roll220px-Dramadreieck.svgen wieder – während des Settings können sie in diese Rollen hinein und wieder hinausschlüpfen. Konflikte entstehen, wenn unbewußt ungünstige Konstellationen entstehen. Zum Beispiel kann sich der Dolmetscher in der Rolle des Retters wiederfinden. Dann gibt es eine Konkurrenz zwischen Therapeutin und Dolmetscher, denn eigentlich möchte die Therapeutin der Retter des Opfers (in dieser Konstellation der Patient) sein. Für die Therapeutin, die der Sprache ihres Klienten nicht mächtig ist, bedeutet das einen enormen Autoritätsverlust zugunsten des Dolmetschers. Das kann bedeuten, dass der Klient der Therapeutin nur wenig Vertrauen entgegenbringt. Kann die Therapeutin damit nicht bewußt umgehen, also ihren Anteil in der triadischen Interaktion sehen, macht sie den Dolmetscher für diesen Autoritätsverlust verantwortlich. In den Fortbildungen, die Costa für Dolmetscher und Therapeuten anbietet, lernen Therapeuten, einen sicheren Ort frei von Scham zu schaffen, in dem die Interaktion bewußt stattfinden kann. Dolmetscher lernen, den Therapeuten während des Settings auf subtile Art und Weise ihre Autorität wieder zu geben.

Sekundäres Trauma und Supervision für Dolmetscher

Unbedingt sollten Dolmetscher regelmäßig Supervision machen, um sekundäres Trauma zu vermeiden. Sekundäres Trauma kann entstehen, wenn Dolmetscher regelmäßig den Traumata ihrer Kunden ausgesetzt sind und sie übernehmen. Nicht selten kommen die Dolmetscher selbst von einem ähnlichen Erfahrungshintergrund wie ihre Kunden und erleben ihre eigenen Traumata immer wieder. Abgesehen davon, dass Dolmetscher sich Supervisionen erst einmal leisten können müssen, können viele von ihnen zunächst nichts mit Supervision anfangen. Denn sie kommen aus einer Kultur, in der Sigmund Freud und seine Couch keinen gebührenden Ort der Heilung darstellen. Die gesellschaftlich geschaffenen Strukturen zur Überwindung von Traumata gestalten sich kulturell unterschiedlich. Also sucht Costa nach alternativen Settings und narrativen Techniken, die als Supervision dienen können. Eine Alternative ist kreatives Schreiben. Beverley Costa stellte 2015 ein Buch mit dem Titel In Other Words zusammen aus den Erzählungen ihrer Dolmetscher, die innerhalb von Sitzungen für therapeutisches Schreiben entstanden sind.

In Other Words

Wenn man sich für therapeutisches Schreiben als Supervisionsalternative für Dolmetscher interessiert, dann lohnt es sich, alle Geschichten zu lesen.  Einige Geschichten von den Dolmetscherinnen Zoe, Guida, Kamaljit und Joanna sind wahrhafte Perlen, kaum anderswo  zu finden. Sie schreiben über Wortwechsel und Dolmetschsituationen, die eigentlich unter ihre Schweigepflicht fallen, und die Gedanken und Gefühle, die die Dolmetscherinnen während ihres Einsatzes haben. Costa räumt die Schweigepflicht in ihrem Vorwort ein, hebt aber hervor, dass alle betroffenen Personen anonymisiert wurden und führt höhere Werte als den Schutz der Privatsphäre für die Veröffentlichung der Geschichten an. Die Geschichten zeigen den realen  Alltag der Dolmetscherinnen. Die folgende greife ich als Beispiel auf. Guida wird zu einem „runden Tisch“, so  auch der Titel, geladen, an dem sieben britische von Amtswegen beteiligte Personen und eine Immigrantin sitzen. Die sieben nehmen an, dass die Immigrantin kein Interesse an ihrem Sohn hat aufgrund ihrer Passivität in dem von ihnen geleiteten Verfahren und kündigen an, ihn zur Adoption freizugeben. Die Dolmetscherin merkt während des Gespräches, dass die Situation aufgrund kultureller Unkenntnis beider Seiten derart verfahren ist, dass das von niemandem bevorzugte Ergebnis, eine Tragödie für die Immigrantenfamilie unabwendbar scheint. In der Geschichte legt die Dolmetscherin offen, wie sehr sie mit sich ringt, ob sie entgegen ihrer Ehrenordnung die Situation kommentieren soll, nachdem die Immigrantin den Raum verlassen hat. Sie tut es schliesslich: Ihrer Ansicht nach erwarte man von der Immigrantin aktive Beteiligung an einem Verfahren, obwohl sie in ihrer Kultur gelernt habe, dass man protestlos das tue, was Autoritäten von jemandem verlangten. Sie arrangierten Besprechungen ohne Dolmetscher mit der Folge, dass die Mutter völlig verunsichert sei, ob sie das, was von ihr erwartet würde, auch richtig verstanden habe. Ausserdem zwängen sie sie dazu, mit ihrem Sohn auf Englisch zu interagieren (damit die Sozialarbeiterin, die immer dabei ist, alles verstehen könne), obwohl sie die Sprache kaum spräche, geschweige denn auf Englisch einer emotionalen Mutter-Kind Bindung Ausdruck  verleihen könne. Darüberhinaus verhinderten sie, dass der Sohn die Sprache der Eltern erlerne. So trügen sie aus kulturellem Unverständnis zu einem von ihnen selbst nicht gewünschten Ergebnis bei. Die Dolmetscherin weiss nicht, ob das, was sie gesagt hat, nachvollzogen werden konnte, als sie den Raum und das Setting verlässt. Sie nimmt an, dass sie nie erfahren wird, wie es in diesem Fall weitergeht und ob ihre Intervention gut war.

Ich habe dieses Beispiel ausgewählt, weil ich selbst als Gebärdensprachdolmetscherin genau dieser Art von kultureller Innsensitivität und Dilemma oft begegnet bin. Aber auch die anderen Geschichten sind mir bekannt, auch der alltägliche emotionale Stress. Ich empfinde es als Trost, sie zu lesen und zu wissen, dass sie auch anderen Menschen, die nicht selbst dolmetschen zur Verfügung stehen und vermitteln, was in unserer Zwischenwelt vorgeht. Ich denke, die Geschichten tragen dazu bei, für den Umgang mit Dolmetschern in Settings, aber auch allgemein für den Umgang in einem multikulturellen Setting miteinander zu sensibilisieren.

Das Buch „In Other Words“ verschickt Beverley Costa auf Anforderung als Pdf. Ihre Email ist: info@mothertongue.org.uk

Oya Ataman

InDialog 2015 – Überblick

Vom 21. – 22. November 2015 fand in Berlin die 2. InDialog-Konferenz statt.

Nachdem es in der ersten Konferenz 2013 um den Status quo des Community Interpreting (Dialogdolmetschen) weltweit ging, lag der Fokus der zweiten Konferenz auf der Kombination von Community Interpreting und Technik. Die Konferenz hatte zum Ziel, den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, eigene Forschungsergebnisse, (gelungene) Beispiele aus der Praxis sowie Sichtweisen auf die Form des Community Interpretings mit anderen zu teilen*.

In einer Welt, in der Menschen und somit auch Sprachen in immer wieder neuen Situationen zusammenkommen, wird der Bedarf an neuen und nachhaltigen Maßnahmen und Lösungen für diese Herausforderungen deutlich.

Hier möchte die InDialog-Konferenz dazu beitragen, effektive Lösungen für das Dolmetschen herauszuarbeiten und weiter zu tragen. Da Technologie in diesem Zusammenhang eine immer größere Rolle spielt, war es Ziel der Konferenz, sich mit dem Einfluss, den Möglichkeiten und Grenzen von Technik in den Bereichen Forschung, Ausbildung und Praxis auseinander zu setzen*.

Dies geschah einerseits in der Form von Foren, Präsentationen von Forschungsergebnissen/-vorhaben, Poster-Präsentationen ebenso wie im direkten Austausch der Teilnehmer untereinander. Ergebnisse und Präsentationen erstreckten sich unter anderem auf folgende Themenbereiche:

  • Ausbildung (Training)
    • Art der Ausbildung (z.B. Kurzzeit-Programme, Vollzeitausbildungen an Hochschulen + deren Akkreditierung)
    • Praxisnähe der Ausbildung („bringing ‚real‘ situation in the classroom“)
    • Rolle und Einfluss der Ausbilder/Trainer
    • Ausbildung + Technologie
  • Art des Forschens im Bereich des Community Interpretings
  • Sensible Einsatzbereiche
    • Medizinisches Setting (z.B. Dolmetschen im Therapieverfahren, Einsatz von Dolmetschern durch Klinikpersonal)
    • Asylverfahren
    • Gericht

Am zweiten Konferenztag wurde der Bedeutung von Technologie im Bereich des Community Interpretings nicht mehr der Raum eingeräumt, wie es in der Ankündigung versprochen war. Dennoch gab es andere wertvolle Informationen:

  • Interessante Neuigkeiten aus dem Bereich der eigenen Profession (Sprachmittlung)
  • (konkrete) Handlungstipps für die Praxis
  • Vorstellung von (neuen) Modellen und Strategien (zur weiteren Vertiefung)
  • Interessante Impulse

All dies konnte man erfahren, kennen lernen und mitnehmen. Und das sowohl im Bereich der Lautsprachen, als auch im Zusammenhang mit Gebärdensprachen!

Ein lohnenswerter Besuch also! 🙂

 

Juliane Bier, Gebärdensprachdolmetscherin aus Berlin.

juliane.bier@gmx.de

 

*Vgl.: http://www.indialog-conference.com/press/pm_in_dialog15_01_en.pdf; 2015-12-07

 

InDialog 15: Sonja Pöllabauer über Dolmetscherfortbildung für Asylverfahren

Sonja Pöllabauer von der Universität Graz referierte über das Fortbildungskonzept für Dolmetschen im Asylverfahren, das sie im Rahmen des QUADA-Projekts entwickelt hat.

QUADA steht für Qualitätvolles Dolmetschen im Asylverfahren und ist ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes Projekt, um unterschiedlichste Dolmetscher für die Herausforderungen in Settings rund um Asylverfahren fit zu machen. Das Setting gilt als hochsensibel. Das heisst, das jeder Dolmetschfehler, jedes Missverständnis ein Risiko auf Leib und Leben für die Asylantragsteller bedeutet. In dem Interview wird von den Beamten erwartet, dass sie die materielle Wahrheit über die Bewerber herausfinden. Das heisst, die tatsächlichen Gegebenheiten zu eruieren. Da die Bewerber oft misstrauisch und traumatisiert sind, da sie von anderen erfahren haben können, dass es vorteilhaft sei, manche Dinge zu verschweigen und andere Geschichten zu erzählen, oder einfach nur weil sie aus einer anderen Kultur, das heisst ja auch Kommunikationskultur kommen, gestaltet sich dieses Interview auch mit Dolmetschern schwierig. Dolmetscher müssen in dieser Situation kulturelle, nationale und linguistische Vielseitigkeit mitbringen – und sie müssen dafür ausgebildet sein. Ob es sich um professionelle Dolmetscher, studierte oder Quereinsteiger, um Anfänger oder Amateure handelt – die Nachfrage ist so hoch, das Setting so sensibel, dass eine Fortbildung für alle Dolmetscher als notwendig angesehen wird. Pöllabauer und ihre KollegInnen haben ein Handbuch entwickelt, das man online kostenlos downloaden kann: Das Trainingshandbuch für Dolmetscherinnen im Asylverfahren. Dieses haben sie in mehreren Trainingsrunden erprobt und wollen an den österreichischen Volkshochschulen damit Kurse angeboten sehen. Ein Ziel dabei ist, dass Auftraggeber bevorzugt Absolventen dieses Kurses bestellen, um eine höhere Qualität des Interviews zu gewährleisten.

Originaltitel des Vortrags: ‚It Is a Fiction that I Am Neutral and Invisible.‘ Training Interpreters for Asylum Interviews