Cristina Gil und ihr Team haben die diesjährige Konferenz in Lissabon organisiert. Sie zeigt im Video die Gebärde für die Nationalspeise Pastel de Nata. Die Ethnologie der Gebärde ist auch köstlich: Sie ist zurückzuführen auf Kinder, die die wabernde Vanillefüllung als “wie reingerotzt” zeigten – daher das Zuhalten eines Nasenflügels mit dem Daumen und der Flugbewegung der Rotze entlang des kleinen Fingers
Lindsey D. Snyder (University of Maryland). Theater ist politisch: Aus- und Fortbildungen von Dolmetschenden für die Darstellenden Künste im 21. Jahrhundert
In Zeiten der Kürzungen öffentlicher Gelder und ideologischer Reglementierung der darstellenden Künste – in den USA ist es ja heutzutage noch schlimmer als in Deutschland – ist die Bedeutung des Theaters als Ort des Widerstands um so wichtiger. Damit ist auch Zugang zum Theater um so politischer. Snyder nutzt Prism Theory als pädagogischen Ansatz, ein Modell das das Prisma als Metapher nutzt, um Pädagogik unter diesen Aspekten zu verstehen: 1) Erwerb von Kompetenzen, 2) Perspektivwechsel, 3) persönliche Entwicklung, 4) sozialer Aktivismus. Snyder argumentiert, dass wir es in unsere Arbeit tagtäglich mit Inszenierungen zu tun haben, die wir durchaus als theatralische Darstellung verstehen können, zum Beispiel die Reden von Politiker:innen (mein Kommentar: … nicht zuletzt sein Erving Goffmans dramaturgischer Ansatz, welche zwischenmenschliche Interaktion als Theater begreift). Daher sollten wir darstellende Künste in unseren Curricula aufnehmen.
Hier möchte Snyder mit interessierten Dolmetscher:innen Kontakt aufnehmen.
Camilla Warnicke, Catrin Thorin, Elin Svanerud, Jonas Brännvall, Magnus Ryttervik & Malin Tesfazion (Stockholm University). Kulturelles Wissen und Sprachliche Kompetenzen im akademischen Setting entwickeln.
Die Schweden haben ihren Studiengang vorgestellt und erzählt, wie sie ihren Student:innen Gehörlosenkultur beibringen. Dabei sind:
Bezahlte taube Teilnehmende Personen im Lehrbetrieb für Rollenspiele etc.
Zusammenarbeit mit tauben Rentner:innen
Gebärdensprachcafe
Studienaufenthalte (Day of Deaf People)
Mitarbeit in örtlichen Gehörlosenverbänden
Kick-off-Week am Beginn des 2. Semesters, zum einwöchigen immersiven Sprachaufenthalt bei bezahlten Tauben Gastgeber:innen
Zusammenarbeit bei behördlichen Maßnahmen für Arbeitssuchende taube Menschen (z. B. Rollenspiele)
Es ist schwierig, die Student:innen davon zu überzeugen, ihre Freizeit bei Tätigkeiten innerhalb der Gehörlosengemeinschaft zu verbringen und die dort geschaffenen Kontakte auch kontinuierlich zu pflegen. Auch die Diversität der Community kann hier nicht abgebildet werden. Es ist ein Balanceakt, bei der Platzierung der Student:innen die Community nicht zu stören oder auch auszunutzen, und auch die Community ändert sich fortlaufend, da müssen auch die Unternehmungen sich anpassen.
Carolin Denmark (Sorenson). Entwicklungsjahre: sind die GSD des 21. Jahrhunderts “kulturlos”?
Denmark zeigt eine Filmaufnahme von gebärdenden Geistlichen von 1933, um zu zeigen, wie lebhaft und humorvoll sie als Vertreter unterschiedlicher Generationen miteinander interagieren. Diese generationenübergreifende Interaktion fehlt ihr im heutigen Alltag, auch in den Dolmetschausbildungen. Sie fordert eine kulturelle Allianz zur Förderung persönlicher, immersiver Interaktion, um die Kultur nicht nur zu lernen, sondern auch am Leben zu halten.
Abschluss
Nach den Danksagungen für die großartige Arbeit der diesjährigen Organisator:innen verkündet DeafEfsli, dass sie demnächst Fortbildungen und Veranstaltungen anbieten werden. Die nächste Konferenz wird vom 10. – 13. September 2026 in Zagreb, Kroatien stattfinden und danach wird von 16. – 18. April 2027 die Konferenz in Berlin sein (ausnahmsweise im April, weil Wasli im September stattfinden wird). Das Motto für Zagreb wird “Education”, also Bildung sein. Vorschläge für das Thema für Berin, nehme ich dankend hier in den Kommentaren entgegen 🙂
Von allen Postern kann ich leider nicht berichten, hier sind einige ausgewählte.
Azaria Francis und Helen Fuller. Über die Kluft: Ich bin ich aber wer sind wir?
Hallo, ich bin Helen – Ich bin Azaria und das ist unser Poster.
In diesem Poster geht es um die Reflexion kultureller Mediation in Dolmetschsettings mit Hilfe des Interpreting Power and Privilege Wheels (mitte). Wenn wir uns die eigene Verortung in diesem Rad in Bezug auf die Menschen, mit denen wir in den unterschiedlichen Settings zusammen arbeiten stets vergegenwärtigen, hilft uns das, unsere Beziehung im Machtgefälle der aktuellen Situation zu beurteilen und dabei die Mehrdimensionaliät und Dynamik unserer Identitäten zu Nutze zu machen, um aus den Identitäten, die in diesem Moment beziehungsförderlich sind, die Motivation für unsere Verhalten zu schöpfen.
Helen Shingler. Die unerkannte kulturelle Kluft bezüglich Neurodiversität
Hallo, ich bin Helen. Tut mir leid, das hiesige Fingeralphabet fällt mir noch schwer. Hier geht es darum, wie wir als Dolmetschende den Bedarfen neurodiverser Kund:innen gerecht werden können.Hier ist ein Link zur IS-Version.
Helen Shingler hat ein weiteres Poster im Angebot: Multitasking und immer Lächeln: Dein Deaf Heart behalten, während du gleichzeitig allerlei Herausforderungen beim Onlinedolmetschen jonglierst.
Shingler betont die Multitasking-Anforderungen bezüglich Onlinedolmetschen:
Interprersonal: Anrufer:innen, die mit der Anrufetikette nicht vertraut sind
Intrapersonal: Gibt es ein geteiltes Verständnis?
Paralinguistisch: Es ist wahrscheinlicher beim Onlinedolmetschen, dass überregionale Sprachnutzer:innen beteiligt sind und den Dolmetschenden unbekanntes Vokabular nutzen.
Umgebungsbedingt: Teilnehmer:innen können sich gegenseitig nicht sehen.
Dabei gibt es unterschiedliche kulturelle Prioritäten bei beiden Seiten, denn Taube Werte (nach Carol Lazorisak) sind: 1. Einstellung der Dolmetschenden, 2. Deren Fähigkeigen, 3. Deren Wissen. Dagegen sind die Prioritäten bei Hörenden wie folgt: 1. Wissen der Dolmetschenden, 2. Deren Fähigkeiten, 3. Deren Einstellung.
Für hörende GSD bedeutet das, dass ohne klare Strategien ethische Entscheidungen im Stress ad hoc getroffen werden, während der Anruf im Gange ist und das wiederum eine Tendenz zur Voreingenommenheit für die hörende Kultur zur Folge haben kann. Daher, so Shingler, sollten Dolmetschende sich eine Palette an Werkzeugen zulegen, die sie dazu befähigt, aktiv das gegenseitige Verständnis zu fördern, so wie im Poster von Mark Berry und Marlee Dyce dargelegt.
Mark Berry und Marlee Dyce. Was meinst du eigentlich? Sprachliche und kulturelle Feinheiten in anspruchsvollen Ferndolmetscheinsätzen meistern
Hallo, ich bin Mark. – Und ich bin Marlee. – Wir arbeiten bei Sorenson Communications. Hier beschäftigen wir uns mit der Herausforderung im Onlinedolmetschen, das Gehörte eben nicht wortgetreu in die Zielsprache zu übertragen, sondern das Gemeinte mitsamt feiner Bedeutungsnuancen zu erfassen und zielsprachlich zu formulieren. – Ja genau. Voraussetzung dafür ist es, sich vom Quelltext loszulösen. – Und durch die gewonnene Freiheit, die kulturelle Anpassung der Formulierung in der Zielsprache zu leisten. Auf dem Poster ist ein Link zu einer Demo und einer IS-Präsentation
als Deaf Geographies (Kusters 2010, 2015, Breivik et al 2012)
als historische Orte wie Schulen
Die Bedeutung von Deaf Space ist sehr weit gefasst. Es handelt sich nicht nur um Orte. Dabei hilft Bourdieus Habitusbegriff und der Begriff Kulturelles Kapital. In diesen Räumen gibt es einen bestimmten Habitus, anhand dessen GSD sich kulturelles Kapital aneignen oder verlieren können. Dabei sind weitere Konzepte wie
Intersectionality (Crenshaw 1989), die Verschränkung von mehreren Identitäten, die nicht in Stein gemeißelt sind
Chip Theory (McRuer 2007), um alle Behinderungen einzuschließen und sich nicht nur auf Taubheit zu fokussieren.
Queer Theory
Rolespace (Llewellyn-Jones und Lee 2013)
Das bedeutet für GSD Studiengänge und Ausbildungen, dass sie nicht nur Sprachen und Dolmetschen lernen, sondern lernen, wie sie sich in Deaf Spaces verhalten. Daher mössen sie 100 Stunden Praktikum im 3. Studienjahr leisten, und zwar in Taub-geführten Umgebungen. Sie können dadurch erleben, wie diese Umgebungen geschaffen sind und sich selbst darin erfahren. Das hat sich bewährt. Adam hat einen Verhaltenscodex (Code of Conduct) entwickelt, der angemessene Kommunikation und respektvolles Verhalten anleitet. Dadurch wird Bewusstsein dafür geschaffen, dass jegliches Verhalten von GSD den Deaf Space beeinflusst, es also Neutralität de facto nicht gibt.
Selina Jaques-King (Wolverhampton) “Der Punkt ist nicht, wie ich mich selbst wahrnehme, sondern wie ich von anderen wahrgenommen werde” BSL Dolmetschende of Color in England.
Mit Ausnahme von Obasi 2013, West Oyedele 2015 und Ford 2021 ist dieses Thema nicht beforscht.
In England sind GSD typischerweise weiss und weiblich (ASLI Census, Napier et al, 2021).
GSD sind bei ihren Kund:innen in kritischen und intimen Lebensmomenten.
Bilinguale und bikulturelle GSD (Grosjean 1996; Napier, McKee and Goswell 2010; Mindess und Holcomb 2011) sind wichtige kulturelle Mediator:innen, aber wie sieht es mit weiteren Minderheitenkulturen aus?
Wenn GSD Aufträge für nicht-Mainstream Veranstaltungen bekommen, müssen Sie den Auftrag erst einmal einschätzuen und planen. Z. B. Kulturelle und/oder religiöse Veranstaltungen wie Hochzeiten, Begräbnisse, Taufen etc. Sie erzählst das eindrucksvolle Beispiel von einer karibischen Begräbnisfeier, die gar nicht so abläuft wie eine christliche Trauerfeier.
Wie Kultur mit unserer Wahrnehmung von anderen einhergeht:
Wir können nicht davon ausgehen, dass das Aussehen einer Person auf ihre Herkunft oder Ethnizität schließen lässt, mit welcher sie sich selbst identifizieren.
Wie du dich selbst wahrnimmst kann davon abweichen, wie andere dich wahrnehmen.
Wir müssen unsere Wahrnehmung unserer Wahrnehmung bezüglich bewusster und unbewusster Vorurteile sensibilisieren, so dass wir diese möglichst ablegen.
Kulturelles Kapital
Der Begriff von Bourdieu (2013) ist Teil der Selbstreflexion in unseren gängigen Curricula. Allerdings hat das manchmal gar nichts mit Kompetenzen zu tun, sondern einfach nur damit, wie du in diesem spezifischen Kontext aussiehst.
Die Selbsteinschätzung kann daneben liegen.
Wir müssen uns stets fragen, kann es wirken wie kulturelle Inbesitznahme, wenn ich diesen Auftrag übernehme?
Wie werden wir gute Allys?
Ganz wichtig: Zuhören und den Menschen glauben, wenn sie von ihrer gelebten Erfahrung erzählen.
Sich biden: Fachbücher lesen, sich fortbilden, sich mit anderen Kolleg:innen darüber austauschen.
Nicht von den POC erwarten, dass diese dir alles erklären oder für deine Fragen zur Verfügung stehen.
In den Institutionen, wie z. B. Hochschulen oder Berfsverbänden gilt: mehr Repräsentation und dadurch Vorbilder schaffen. In die Öffentlichkeit und in die Communities hineintragen, dass GSD ein Beruf ist, mit dem man eine gute Karriere haben kann. Dabei darauf achten, dass die POC Vorbilder nicht als Tokens benutz werden und solidarisch im Vorfeld geeingete Arbeitsbedingungen für sie schaffen.
Sandra Pratt (Wolverhampton). Die Macht des Portraits: Die sprachliche und kulturelle Identität von britischen GSD-Studierenden entdecken.
Pratts Forschungsfrage lautet, ab wann fühlen sich GSD Student:innen als Teil der Gebärdensprachgemeinschaft?
“Who you act as being in interpersonal and intergroup interaction” (Schwartz et al 2011:2)
Pratt benutzt als Methode die Sprachportraits. Sie lässt welche in Bezug auf Sprachen und andere in Bezug auf Kultur
anfertigen und vergleicht diese. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass bei der multimedialen Reflexion nicht unbedingt Sprachen und über Sprachen transportierte Metaphern benutzt werden müssen.
Wofür stehen Muster, Orte, Symbole und Farben? Diese Freiheit und die darauf folgende gebärden-
sprachliche Besprechung dieser Portraits bietet Chancen, Neues über sich selbst zu erfahren. Pratt lässt diese während des Studiums mehrmals machen und vergleicht die Porträits über die Zeit. Sie macht die individuellen Schwellen aus, die den kulturellen Prozess der Identitätsbildung bei ihren Student:innen zeitigen.
Georgios Statis (Ionian University Christos Georgokostopoulos Thessaly). Digitalen Zugang in kulturellen Räumen sichern: Die Rolle der GSD
GSD bieten sprachlichen Zugang UND vermitteln Kultur und Identität. In einer Kulturlandschaft, wo sich Institutionen in Orte für Dialog mit aktiven Bürger:innen verstehen, spielen GSD eine wichtige Rolle. Statis machte eine große Umfrage unter den Besucher:innen von Museen in Griechenland. Alle Altersgrupppen waren vertreten. Ergebnisse sind: Hybride form von Zugang online und on-site wurden bevorzugt, also kein Entweder- oder, sondern Kombination. Technologie wurde befürwortet. Mit dem Status-quo sind die meisten nicht zufrieden. Sie sind mit den Dienstleistungen rund um ihre Partizipation nicht zufrieden. Auf die Frage, wie oft sie ins Museum gehen, schwankt es zwischen einmal im Jahr und einmal alle drei Monate. Inklusive Museen werden hingegen einmal im Monat aufgesucht. Museen sollten nicht nur auf einzelne Maßnahmen fokussiert sein, sondern holistische Inklusionsmaßnahmen rund um den Besuch bieten, mit Beratung von tauben Experten:innen. Auch zielgruppengerechte Werbung ist hier dabei. Technologien sollten zusätzlich genutzt werden. Das Museum der kykladischen Kunst hat eine App, die als best practice fungiert und vor Ort mit Dolmetschenden flankiert wird.
Gabriella Ardita (University of Catania und Italienischer Dolmetscherverband). Wie LIS Taube Nutzer:innen VRI Dienstleistungen wahrnehmen: Konsequenzen für Dolmetschaus- und Fortbildungen.
Ardita fragt in ihrer Studie nach den Bedarfen von tauben Nutzer:innen von online Dolmetschdienstleistungen. Sie resümiert, dass Onlinedolmetschen eine eigne Arbeitskultur begründet und gezielt, als Spezialisierung, gelernt werden muss. Sie selbst baut an ihrer Uni gerade in Modul zum Onlinedolmetschen auf.
Mark Berry und Wendy White (Sorenson Communications). Doppelt Stark: Zusammenarbeit in Taub-Hörenden Dolmetschteams stärken.
Wie beurteile ich, wann ein HGSD-TGSD Team notwendig ist? Das ist nicht beliebig, sondern kann nach bestimmten Faktoren beurteilt werden.
Einschätzung der Kund:innen: Gibt es Faktoren, die das Sprachverständnis in Verstehen und sich Äußern beeinträchtigen, z. B. Kognitiv (Sprachdeprivation etc.), emotional-verhaltensbedingt (ADHS etc.), Bildungsarmut, Alter, körperliche Beeinträchtigungen.
Risikoeinschätzung für die Auswirkung von kommunikativen Missverständnissen, wenn folgenreiche Entscheidungen gemacht werden. Beispiele sind medizinische Eingriffe, Gerichtsverhandlungen, Vormundschaften, Vertragsabschlüsse. Hier muss man so gut wie möglich sicherstellen, dass die Botschaften auch wirklich verstanden werden.
Bestimmte situative Faktoren wie Gerichtsverhandlungen, Psychotherapie, Bildung, Aufklärung bei medizinischen Eingriffen, um eine selbstwirksame, informierte Entscheidung treffen zu können.
Kulturelle Faktoren, z. B. Bei Konzerten und kulturellen Veranstaltungen.
Zusammen sind Taub-Hörende Dolmetschteams, so die beiden, unschlagbar, dafür gab es nur Zustimmung im Publikum.
Der letzte Vortrag hatte es in sich: Lorraine Leeson, Teresa Lynch, Déirdre Daly und Gráinne Meehan (Trinity College Dublin) haben Daten über die Geburten tauber Mütter aus qualitativen Interviews Daten erhoben, um bessere Dolmetschdienstleistungen für sie rund um Geburt und Schwangerschaftsvor- und Nachsorge zu ermöglichen. Denn aus den Interviews leitet sich ab, dass die Situation bis jetzt sehr schlimm ist. Angesichts der Alltäglichkeit und Urmenschlichkeit der existenziellen Erfahrung, die ganze Familien betrifft und die empfindlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft zumal, ist dieses Thema unvertretbar vernachlässigt und in der Forschung unterbelichtet, sie zeugt vor systemischer Gewalt an tauben Frauen. Das Forschungsteam kam zum Ergebnis, dass die betroffenen Frauen während der Geburt sehr oft ohne Dolmetschende auskommen mussten, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist. Viele mussten sich selbst um Dolmetschung kümmern oder ihre Familienmitglieder sollten dolmetschen. Sie wurden dadurch
im Unwissen gelassen wurden
Gestresst, besorgt, erschöpft und frustriert und orientierungslos
Misstrauten den hörenden Fachleuten, die sich um sie kümmerten,
Fühlten sich erniedrigt
Konnten kein informiertes Einverständnis zu Maßnahmen geben
Das bedeutet, dass Leib und Leben in Gefahr war durch die dysfunktionale Kommunikationssituation.
Das Team empfiehlt Dolmetschenden diese Fortbildung, um sich Grundwissen für Geburten anzueignen.
I had the honor of being invited to introduce my colleagues from all over Europe, and especially Poland, into Trauma-informed interpreting in Warsaw for a day. The approach taken in this workshop focuses on improving the quality of our interpretation and teaching practice by fostering the quality of our relationships to our customers, to our students and to ourselves. Different kinds of trauma are implicit in our interactions and shape our physical, mental and emotional state, impacting both our understanding of our source text and our production of our target text. This workshop suggests frameworks, tools and skills to notice this impact and deliberately fine-tune our relationships to benefit the skopos of the interaction within the value-system of our honorary code. If you are interested in hosting me for a similar workshop, please write me.
Ich bin von den neuen Einstellungsmöglichkeiten der neuen AirPodsPro2 für die Zwecke unserer Arbeit und zum Schutz unserer Hörgesundheit sehr begeistert.
Oft sind wir in Situationen konfrontiert mit sehr lauten Geräuschen, zum Beispiel Applaus oder wir werden direkt neben Lautsprecher platziert, wobei wir nicht einfach Ohrenstöpsel nehmen können, denn wir müssen viel leisere Äußerungen gut verstehen und dolmetschen. Ohne Hörhilfe müsste ich trotz Lärmbelastung durchgehend mein Gehör auf die leisen Äußerungen anpassen, das heisst Kopfschmerzen, mindestens. Nun benutze ich die neuen AirPodsPro2. Die kann man quasi als einstellbare Ohrenstöpsel verwenden. Ich kann sie so einstellen, dass sie die lauten Geräusche leiser machen und die leisen nicht einschränken. Mit der direkten Bedienung an einem der Pods kann ich die verschiedenen Modi auch direkt wechseln, so dass ich sofort auf veränderte Anforderungen reagieren kann.
Der eigentliche Grund, warum ich so gerne bei EFSLI bin sind sowohl die Vorträge, als auch das Socializing und das Networking. Es macht mir solche Freude, die Kolleg:innen wiederzusehen! Silke Brendel-Evans, Juliane Rode und ich wohnten in einer schnuckeligen Altbauwohnung im Zentrum neben der besten Eisdiele der Stadt: Gelateria Siculo.
Sich wirklich zu sehen und sich zu unterhalten, das ist selten. Unsere Seelen leuchten auf in der Begegnung, einge-bettet in eine gleichermassen intellektu-ellen wie herzenswarmen Umgebung. Dabei hilft es, dass EFSLI stets vor der Kulisse der schönsten europäischen Städte stattfindet. Dieses Jahr sind wir in Torino – und ich komme sicher wieder zurück. Ich hatte das große Glück, dieses Jahr zum ersten Mal mit meiner Schwester Ajda Loncarevic hier zu sein.
Ajda ist als Networkerin für Verbavoice unterwegs und sagt über ihre Eindrücke: “Ich war beeindruckt, dass ich eine Community vorgefunden habe, in der ich mich gleich willkommen fühlte. Ich war mit meiner Kollegin da, die nicht DGS, geschweige denn IS kann, aber alle haben darauf Rücksicht genommen und beim Gebärden für sie mitgesprochen. Wir hatten besonders am Galatisch erleuchtende Gespräche, zum Beispiel darüber, dass es Gesten gibt, die in einem Land ganz schlimmen Tabugebärden ähneln und in einem anderen völlig ernsthaften Begriffen zugrundeliegen. Die Unterschiede im gesellschaftlichen Status der Profession in den jeweiligen Ländern sind so stark, habe ich da erfahren, weil an unserem Tisch allein schon Kolleg:innen aus fünf Ländern vertreten waren, die sowohl in der Forschung, als auch in der Praxis tätig sind. Es war ja mein Ziel, zu Netzwerken und einen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus zu wagen. Unsere Arbeitswelt wird immer globalisierter, multilingualer, multimodaler und technisierter. Dienstleistungen zum Abbau sprachlicher Barrieren müssen diese Herausforderungen daher auch pro-aktiv angehen. Ich habe viel darüber erfahren, was Dolmetschende brauchen, um gut und gerne zu arbeiten. Ich möchte auf jeden Fall regelmäßig dabei sein.” Save the Date: 12. – 14. September 2025 EFSLI in Lissabon.
Dr. Maya de Wit trägt vor über die Notwendigkeit für Dolmetscher:innen, sich stets fortzubilden “Eternally Qualified”. Empfohlene Literatur u. a. zur Ungleichheit zwischen Lautsprachen- und Gebärdensprachendolmetscher:innen ist Ester Monzo-Nebot und Maria Lomena-Galiano (ed): Toward Inclusion and Social justice in Institutional Translation and Interpreting: Revealing Hidden Practices of Exclusion, Routledge. Wir wollen zwar alle gute Qualität in unserer Arbeit erreichen, aber unterschiedliche beteiligte Gruppen haben unterschiedliche Prioritäten dafür, was Qualität überhaupt ausmacht. Taube Kund:innen finden Dolmetschkompetenz am wichtigsten, aber für unterschiedliche Settings gibt es unterschiedliche Prioritäten, denn bei Arztbesuchen ist Vertrauen das wichtigste, im Bildungswesen die Fähigkeit der Dolmetschenden sich anzupassen und im Arbeitskontext fundiertes Fachwissen zu haben. Hörende Kund:innen finden die Virtuosität den Lautsprachen am wichtigsten. Dolmetscher:innen selbst finden professionelle Einstellung und Virtuosität in Gebärdensprachen am relevantesten. Wie gehen wir in dieser Situation mit dem Thema Qualitätssicherung um? Wie adressieren wir diese in unseren Curricula? Im Vergleich der Europäischen Länder 2016 und 2020 stellen wir eine signifikante Zunahme von BA Studiengängen bei Abnahme von berufsbegleitenden Qualifikationen fest. Was ist nach dem Abschluss? Dazu macht Maya eine groß angelegte partizipative Umfrage, wer mehr darüber wissen möchte und auch teilnehmen möchte, abonniert am besten ihren Newsletter via Mayas Webseite.
Dc. Res. Yvonne Wedel und Dr. Rachel Mason von der Queen Margaret University in Edinburgh bieten einen berufsbegleitenden Master im Gebärdensprachdolmetschen an. Der ist komplett online, man hat aber eine Gruppe in der eigenen gebärdeten Arbeitssprache vor Ort. Der Zugang ist niederschwellig, was vorausgesetzte akademische Abschlüsse betrifft: Weder Abitur noch BA müssen nachgewiesen werden, lediglich 3 Jahre Berufserfahrung als Dolmetscher:in für gebärdete Sprachen. Allerdings muss man Englisch können, denn das ist die Unterrichtssprache. Für alle, die sich also weitere Qualifikation wünschen mit umfassenden Inhalten Weiterentwicklung von Schlüsselkompetenzen zu unserem Beruf, um sich auf den neusten Stand der Forschung bringen und sich daraufhin vielleicht zu spezialisieren oder dann sogar selber zu forschen, Dissertation zu machen, ist das ein tolles Angebot. Ein Modul (Semester) kostet 1090 Britische Pfund, Minimum sind 4 Semester in 2 Jahren, mehr darüber im Link oben.
Einblick in die Situation der Kolleg:innen in Polen gibt uns Dr. Aleksandra Kalata-Zawlocka und Kamila Skalska. Inspiriert von einem EFSLI Vortrag der Briten letztes Jahr haben sie einen Zensus gemacht, also eine Bestandsaufnahme von den jetzt arbeitenden Kolleg:innen erstellt anhand von Umfragen. Das belegte zum Beispiel, dass die meisten nebenberuflich arbeiten. Daher haben sie die Fortbildungspflicht auf die Bedürfnisse dieser Gruppe angepasst. Diese Fortbildungspflicht, die von drei Säulen getragen wird, ist verpflichtend: 1. für alle gleich, pro-aktive professionelle Entwicklung, 2. und 3. wahlweise, aktive Teilnahme in der Gehörlosengemeinschaft und Engagement im Berufsverband. Sie empfehlen allen nationalen Verbänden die Erstellung einer solchen Bestandsaufnahme.
Feierliches Abstempeln der Briefmarke gewidmet der Anerkennung der Italienischen Gebärdensprache LIS – Lingua dei Segni Italiana. Foto: Rosaria Marano, Vorsitzende des italienischen Dolmetscherverbänden ANIMU (es gibt übrigens fünf nationale Verbände) stellt die Briefmarke vor.
Prof. Jemina Napier und Prof. Alys Young aus Edinburgh: Das INForMHAA Projekt (sprich: info:ma) beschäftigt sich mit Dolmetschen in Begutachtungsverfahren für Zwangseinweisungen im Kontext des britischen Mental Health Acts von 1983. Dieses Gesetz regelt die Verfahren, die eingeleitet werden, wenn festgestellt wird, dass die betreffende Person eine akute und erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt und als Konsequenz in eine psychiatrische Anstalt gegen ihre Willen eingewiesen werden muss. Aber wie läuft diese Feststellung ab im Falle von gebärdensprachlichen Patient:innen? Immerhin werden diese Personen ihrer Selbstbestimmung beraubt während andere bestimmen, was gut für sie selbst sein soll. Bestimmend für einen Lösungsansatz im Umgang mit der Verantwortung innerhalb der hohen Zahl an Zwangseinweisungen ist interprofessionelle Zusammenarbeit. Dazu, ist ihr Fazit, brauchen alle beiteiligten ein Empowerment, ihre eigenen Bedürfnisse für eine gute Zusammenarbeit zu artikulieren. Hier sind die von ihnen zusammengestellten Ressourcen, um diese Zusammenarbeit zu lernen zum Runterladen.
Helen Volkes und Mark Berry aus Wales listen viele erfrischend-eingängige Beispiele zu Hearing Privilege, um uns dazu zu motivieren, uns nicht aus unseren Lorbeeren (fertige Abschlüsse) auszuruhen, und uns stets die Mühe zu machen, uns fortzubilden, um unseren Anschluss an die sich stetig verändernde – da blühend-lebendige – jeweilige Gebärdensprache(n) und Gehörlosencommuity nicht zu verlieren.
Donnerstag, Deaf Interpreter Day: Die Konferenz beginnt mit dem Wunsch, die Vertretung von TGSD in EFSLI zu stärken. Zusammenfassend sei die Vision der Zusammenarbeit harmonisch und empowernd, man freue sich über die kommenden Änderungen mit dem Ziel, in EFSLI sowohl hörende, als auch taube Kolleg:innen zu vertreten. Dazu gehört es zB die Satzung in Richtung Barrierefreiheit und Partizipation zu ändern und in den 6-köpfigen Vorstand TGSD zu wählen. Zukunftsvisionen für EFSLI sollten in der zweiten Tageshälfte von Arbeitsgruppen entwickelt werden. Die dringendsten Aspekte der Teilnehmer:innen sind eine bessere Zusammenarbeit von GSD und TGSD als grundlegenden “Kulturwandel” und die Vorbildfunktion von EFSLI diesbezüglich, die auf nationale und regionale Berufsvertretungen einwirken soll. Ausserdem eine Hinwirkung auf mehr Diversität in unseren Reihen. Beides soll schon in den Ausbildungen angelegt sein. Unser Beitrag rückte die Rolle von KI in unserem Berufsfeld in den Vordergrund mit der Folge, dass wir unsere Berufsfelder betreffend die Trennschärfe zwischen “Übersetzen” und “Dolmetschen”, TGSD und GSD überdenken und neue Berufsfelder gemeinsam erkunden müssen.
Die Konferenzsprachen sind durchgehend gebärdete Sprachen, International Sign und Italienische Gebärdensprache (LIS), damit sich alle Teilnehmer:innen wohl-fühlen. Lautsprachdolmetschende sind für diejenigen, die sich in International Signs unsicher sind, durchgehend via Kopfhörer für Italienisch und Englisch da. Für die Zwischengespräche sind alle angehalten, zu gebärden. Mit vielen leisen und lauten Erinnerungen klappt das immer besser :). Links ist die Gebärde für DI, Deaf Interpreter, die gerade verwendet wird.