Aufbau Homestudio: Stehen und Sitzen

Wie man ein professionelles Homestudio gestalten kann, seht ihr hier. Ich kann im Stehen oder Sitzen arbeiten, alleine oder mit Co. Hier seht ihr meinen Aufbau für den Stand. Ich habe insgesamt drei Bildschirme, ein Tablet und ein Smartphone. Zwei Desktops sind jeweils mit Ethernet im Netz, ein Bildschirm wird mit einem weiteren geteilt. Alle sensiblen Dateien sind auf externen Datenträgern und nicht mehr mit den Desktops verbunden aus Datenschutzgründen. Um sowohl im Stand, als auch im Sitzen arbeiten zu können, müssen die Desktops hoch genug stehen und einen flexiblen Neigungswinkel haben. Die Tastatur, das externe Mikrofon und die Maus, ggf die Fernbedienung für die Lichtquelle müssen unmittelbar und unauffällig bedienbar sein. Das habe ich mit einer kleinen mobilen Stehtischerhöhung eingerichtet. Wichtig ist, dass die externe Kamera ein stabiles Stativ hat, und in einer Linie zwischen eurem frontalen Blick und dem Bildausschnitt, den ihr am häufigsten anvisiert plaziert ist. So stellt ihr sicher, dass die Blickführung so nah an die Kamera geht, wie möglich. Ihr könnt euch daran gewöhnen, euren Blick hinter der Kamera zu fokussieren. Das Zoommeeting ist verteilt auf zwei Bildschirme, um möglichst große Bildausschnitte der relevanten Personen zu erreichen. Ausserdem kann der Platz auch für Texte genutzt werden wie Tagesordnungen oder Namenslisten, oder dem Chatverlauf. Das Tablet ist hier nicht aufgebaut, das verwenden ich zusammen mit einer Teleprompterapp gerne für längere monologische Texteinheiten, wenn Manuskripte vorhanden sind. Die Geschwindigkeit für den Teleprompter kann man dann auch per Fernbedienung unauffällig steuern. Über den anderen Bildschirm bin ich über eine andere Plattform mit meiner Kollegin verbunden. Dabei ist entweder das Mikro aus oder ich habe sie per Kopfhörer (um Interferenzen zu vermeiden) in einem Ohr oder leiser in beiden Ohren. Den Ton in beiden Ohren zu haben soll für das Gehirn einfacher zu verarbeiten sein. Dabei muss man den Ton der Konferenz aus dem Lautsprecher natürlich laut genug haben, um sowohl die Kolleg:in, als auch die Sprecher gut zu hören. Bei einer Nutzung von weiteren Plattformen zum Zweck der Zusammenrbeit ist der Datenschutz zu beachten! Verschlüsselte Provider wie Threema oder Signal sind hier zweckdienlich. Für das ergonomische Stehen verwende ich eine so genannte Stehhilfe.

Wie sieht euer professionelles Home-Office aus? Arbeitet ihr lieber im Stehen oder im Sitzen?

Der professionelle Hintergrund

Für jeden Onlineauftrag ist ein professioneller Hintergrund für dein Homestudio angesagt – aber welcher? Um die bestmögliche Rezeption unserer Dolmetschung einzurichen, folgen wir am besten den anspruchsvollsten Bedürfnissen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden e. V. (BAT) hat diese Empfehlung dazu abgegeben. Die bevorzugten Farben sind dunkelblau, dunkelgrau und schwarz. Allerdings gilt das für hellhäutige Gebärdende. Gute Sichtbarkeit erreichen wir grundsätzlich durch ein optimales Zusammenspiel von Hintergrundfarbe, Hautfarbe und Beleuchtung. In meiner Farbtabelle sind die Empfehlungen der BAT mit den enstprechenden RGB Farbwerten in der mittleren Spalte für hellhäutige Gebärdende. Da die Belichtungsautomatik der Kameras sich auch nach der Hintergrundfarbe richtet, sind bei einem schwarzen Hintergrund hellhäutige Gesichter notorisch überbelichtet. Dunkle Haut kontrastiert besser mit hellen Hintergrundfarben. Entsprechend gilt die Wahl für die Kleidung, wie in der Tabelle dargestellt. Die Kleidung sollte einen starken Kontrast zum Hintergrund aufweisen, sich aber auch deutlich von der Hautfarbe unterscheiden, damit die Gebärden sowohl vor dem Hintergrund, als auch vor der Kleidung gut sichtbar sind. Auch Kopfbedeckungen wie Kopftücher sollten einfarbig sein und sich von Haut und Hintergrund abheben.

Farbtabelle Hintergrund – Hautfarbe – Kleidung © Oya Ataman

Auf Komplementärkontraste wie rot-grün sollte verzichtet werden. Das Chroma Green der Green Screens ist zu grell und virtuelle Hintergründe funktionieren nicht mit der Geschwindigkeit unserer Bewegungen.

Die grösste Farbauswahl hast du, wenn du die Wand hinter deinem Standort und Sitzort in deiner bevorzugten Farbe Streichst. Folgende Empfehlungen sind Farben der Firma Farrow und Ball, die jeder Baumarkt mit billigen Farben nachmischen kann. Wichtig ist es, die Farben auf einem Teil der Wand mit deiner individuellen Beleuchtung auszuprobieren. Farrow und Ball verkauft dafür kleine Probendöschen.

Dunkelgrau: Off-Black – Mittelgrau: Plummett – Hellgrau: Lamp Room Gray Dunkelblau: Scotch Blue – Mittelblau: Pitch Blue – Hellblau: Skylight Dunkelgrün: W55 Duck Green – Mittelgrün: Treron – Hellgrün: French Grey

Du kannst auch farbiges Papier an deine Wand hängen oder eine Fleecedecke, die groß genug ist. Die mobile Alternative sind Falthintergründe oder Roll-Ups. Falthintergründe kannst du einfach an die Wand hängen oder auf ein Allzweckstativ. Wichtig ist, dass es hoch genug für den Stand ist. Ich habe einen mittelblau/mittelgrauen Falthintergrund 1,5 m X 2 m. Ich habe ihn auch oft samt Stativ zu hybriden Einsätzen mitgenommen.

Online Workshop zum Video Remote Dolmetschen von Initiative Augenhöhe e. V.

In diesem umfangreichen Workshop, eingeteilt in 4 x 2 Stunden werden relevante Themenfelder für das Ferndolmetschen besprochen und geübt. Meine phänomenalen Kolleginnen Katharina Cordts und Tilla Reichert führen es in mehreren Durchgängen durch. Eine Beschreibung inklusive Anmeldeformular findet ihr hier. Die Initiative Augenhöhe e. V. befindet sich noch in Gründung aber für das brandheiße Onlineseminar kann man sich für die Monate April bis Juni noch anmelden. Bei Anfragen wendet euch bitte an info@augenhoehe.email

Innovation in Interpreting Summit

Vom 22. Februar ab 19.00 Uhr deutscher Zeit bis zum 25. Februar 2021 im Programm gibt es spannende Vorträge rund um Technik und Dolmetschen. Themen wie Notizentechnik, Technische Ausrüstung, Spracherkennung, Schutz unserer Arbeit und Profession, die Zukunft unserer Arbeit werden thematisiert. Es gibt eine Talkrunde zu neuen Praktiken im Gebärdensprachdolmetschen mit u. a. Maya de Wit und Oliver Pouliot. Konferenzsprache ist Englisch. Das alles ist kostenlos, Anmeldung hier https://www.innovationininterpreting.com/

Welche Kamera für mein Studio?

Eine interne Kamera ist nicht flexibel genug in ihren Einstellungsmöglichkeiten, um professionell online zu dolmetschen. Meine Empfehlung ist aktuell die Logitech C930e. Du kannst auch andere Kameras benutzen, die ähnliche Eigenschaften haben, nur keine mit Panorama Bildausschnitt. Ein Kamerawinkel bis 90 Grad ist OK. Man kann auch einen Camcorder per Live Capture Card anschließen. Im Kommen sind Apps, welche deine Smartphonekamera als externe Kamera an deinen Rechner anschliessen und steuern lassen, wie zum Beispiel die App camo von reincubate für iPhones. Wie das geht, seht ihr im Youtube Video von techforword. Am Beispiel meiner Logitech C930e, Mac und PC tauglich, zeige ich, worauf es anommt.

Die Kamera baraucht eine stabile Klappe, die hier mitgeliefert wird. Bei manchen Plattformen ist es vorteilhaft, die Kamerafunktion auf der Plattform beim Dolmetscherwechsel nicht auszuschalten, da die Bilder auf der Plattform verrutschen und man den Dolmetscher suchen muss. Bleibt die Kamera an, ist aber verdeckt, bleibt das Bild an der gleichen Stelle. Die Halterung der Kamera erlaubt stabiles Auflegen auf der Oberkante des Bildschirms, wobei der Neigungswinkel gut steuerbar ist. Ausserdem kann man sie an Standardstative anschrauben. Sie funtioniert mit USB-Anschluss und hat auch ein gutes eingebautes Mikrofon. Das Beste aber sind die Einstellungsmöglichkeiten durch die begleitende Software: Camera Settings. Die Bildgeschwindigkeit kann man oft direkt in den Plattformen einstellen.

Ich habe das Einstellungsfenster (rechts und oben im Foto zu sehen) während der Arbieit durchgehend geöffnet. So kann ich gut kontrollieren, ob ich noch in der Bildmitte bin und ggf. per Mausklick nachjustieren. Wichtig ist, dass man den Autofokus stets ausgeschaltet hat, denn unsere Hände bewegen sich vor uns und die Kamera versucht dann immer wieder den Fokus zu ändern. Dabei verschwimmt das Bild. Mit der Zoomfunktion kann der richtige Bildausschnitt (siehe unten) eingestellt werden, so dass die Ränder des Falthintergrunds nicht im Bild sind. Damit kann man einen Falthintergrund der Grösse 2 m x 1,5 m benutzen, der freundlicher ist für das Falten und Verstauen in kleineren Räumen. Der Bildausschnitt soll auf „Standard“ gesetzt sein.

Der richtige Bildausschnitt folgt der Formel „in MÜNCHEN GEBOREN“ zur Seite hin sollten die Ellbogen im Bild sein. Grundstellung: Um die Gebärden im Raum erfassbar zu machen, stehst du nicht frontal zur Kamera, sondern drehst dich etwa 30 Grad seitlich von den Füssen bis zur Schulter. Achtung, die Drehung nicht in der Hüfte machen. Der Hals dreht den Kopf dann frontal zur Kamera, der Blick geht bei direkter Ansprache direkt in die Kamera. Bei Stille (z. B. das Gespräch hat noch nicht begonnen aber du stehst schon da) geht der Blick deutlich an der Kamera vorbei.

Welche Erfahrungen habt ihr mit eurer Kamera gemacht? Könnt ihr eine andere empfehlen? Wer arbeitet schon mit Smartphonekameraapps?

Updates:

April 21: Irium App verwandelt Iphone in Webcam, kostenlos. Anleitung: Franks Vlog auf Youtube https://www.youtube.com/watch?v=fB9TaqLK3hc

Wäre es nicht toll, wenn wir unser Translat direkt von unserer Kamera aus streamen könnten? Die neue Logitech C922 Pro Steam kann das – aber, wie ich leider feststellen musste, ist die Bildqualität im Vergleich zur C930e so schlecht, dass ich die vielversprechende Kamera umgehend zurück geschickt habe. Wie ihr im Bild sehen könnt, ist es unschärfer und blasser. Es lässt sich zwar über die selbe App einstellen, erreicht jedoch keinesfalls die Bildschärfe und- qualität der C930e.

Beleuchtung

Eine gleichmäßige, ausgewogene Belichtung ist äußerst wichtig für die detaillierte Bildübertragung und somit Sichtbarkeit und Verständlichkeit des gedolmetschten Textes. Das Licht sollte frontal auf das Gesicht fallen und beide Seiten, ohne Schatten auf Gesicht und Hintergrund zu werfen.

Glühbirne mit Fernbedienung: Bei Conrad habe diese Glühbirne Farbe Tageslicht gekauft. Sie hat eine Fernbedienung, so dass man während des Einsatzes online die Helligkeit einstellen kann.

Die Glühbirnen können oben an die Decke oder auch in deine Studiostandleuchten.

Das empfehle ich sehr, wenn der Raum Fenster hat und sich die Lichtverhältnisse über den Tag ändern.

Natürlich gibt es diese auch von anderen Herstellern wie zum Beispiel Philipps, die sind aber viel teurer.

Bei der Tastatur muss man aber schon aufpassen, dass man sich nicht vertippt, sonst dolmetscht du im Discolook …

New Workshop: Third Culture and Professionalism for Deaf and Coda Sign Language Interpreters

drittkulturIn collaboration with Isabella Rausch, I have developed a one-of-a kind 2-day workshop for Coda and Deaf interpreters together (Seminar language  IS/English). We are combining the Third Culture Kids approach (on the identity of persons having grown up in different cultures compared to their parents) and vicarious trauma.  I am  bringing in the anthropological background and Isabella is a psychotherapist. We are both multilingual interpreters, and both Coda.

This spring, the new edition of the book Third Culture Kids by Ruth van Reken is coming out in English. Its previous editions have created a global movement and are standard reading for students of intercultural communication. Its revision will include the Deaf community. I have given papers on this subject in various places, see here. As Deaf Culture Kids and members of a minority culture we develop a high sensitivity for intercultural skills and personality traits. Simultaneously, this sensitivity can make us very vulnerable. In our workshop the participants learn to turn their intercultural resources into inner strength where resilience, dialog ability and integrity, central assets of our professionalism can thrive. At the same time, they learn to protect themselves from traumatic episodes coming alive in the interpreting setting, especially if they, as interpreters, share similar traumatic experiences. A build-up of even the slightest hints over the time of a career can lead to burn-out. Learning about intercultural assets, sharing the Deaf Culture Kid experience and developing resilience and integrity will lead to long-term professional success and a happy work life.

We are offering this workshop in German/DGS in Berlin this July. If you are interested in an international workshop, please email us, comment or simply invite us to your country.

 

Fortbildung für Coda- und taube DolmetscherInnen 8. und 9. Juli 17

drittkultur„Drittkultur und Professionalität“
Mit Oya Ataman und Isabella Rausch in Berlin. Anmeldung hier.

am Sa. 08.07.2017 – 10:00 – 17:00 Uhr (1,5 Std. Mittagspause) am So. 09.07.2017 – 9:00 – 15:00 Uhr (1 Std. Mittagspause)

Dieses 2-tägige Wochenendseminar ist zugeschnitten auf CODA- und taube Dolmetscher-/innen. Miteinander reflektieren die Teilnehmer, was das Aufwachsen in der Taubengemeinschaft für sie als Dolmetscher mit sich bringt. Denn wer sich in der Zeit der persönlichen Reifung zwischen zwei oder mehreren Kulturen bewegt, erwirbt eine eigene, dritte Kultur. Je nach individueller Sozialisierung birgt diese Erfahrung Chancen und gleichzeitig Risiken. Seit Ruth van Reken und David Pollock 1999 das Phänomen der Third Culture Kids beschrieben haben, entwickelt sich eine globale Bewegung.

Die Berliner Gebärdensprachdolmetscherin Oya Ataman erweiterte van Rekens Beschreibung um Kindeitserfahrungen der Taubengemeinschaft. Durch Vorträge, in Einzel- und Gruppenarbeiten entdecken die Teilnehmer sich selbst im neuen Licht, erörtern und festigen im beruflichen Kontext unsere eigene Drittkultur. Ihre Wiener Kollegin Isabella Rausch leitet den psychotherapeutischen Teil des Seminars mit Übungen zur Reflexion und Auseinandersetzung mit sekundärem Trauma in unserem beruflichen Alltag. Zum Beispiel sind Settings, in denen Traumata der Gesprächsteilnehmer/-innen buchstäblich nur durch unsere Körper zur Sprache kommen, enorm belastend.

Durch bewusst gesetzte Grenzen kann das Verinnerlichen von traumatischen Erzählungen Anderer vermieden werden. Wir lernen Strategien kennen, die uns in brenzligen Situationen helfen, unsere eigene Traumata selbstgesteuert deaktiviert zu lassen.

Burn Out wird durch extremen emotionalen und physischen Stress verstärkt. Wenn wir unsere eigenen Grenzen schützen, schützen wir uns davor auszubrennen und können diesen wunderbaren Beruf viele Jahre ausüben.
Daher widmen die Dozentinnen dem bewussten Umgang mit sekundären Traumata besondere Aufmerksamkeit. Gerade die mögliche Verletzlichkeit, die Mitglieder einer unterdrückten Kultur entwickeln können, lernen die Teilnehmerinnen als Ressource zu nützen und in innere Stärke zu transformieren. In dieser Stärke gedeiht Resilienz, Dialogfähigkeit und Integrität, grundlegende Eigenschaften zur Entwicklung von Professionalität, langfristigen beruflichen Erfolg und Freude an der Arbeit.

Isabella Rausch und Oya Ataman sind international erfahren und mehrsprachig. Um einerseits eine optimale Teilnehmerzahl zu erreichen,

die für die Gruppenarbeit nötig ist und andererseits den Teilnehmer/-innen die Reflexion mit Kolleginnen zu ermöglichen, die sie noch nicht kennen, wird das Seminar im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschrieben.

Die Seminarsprache ist DGS und orientiert sich auch an den individuellen Sprachen der Teilnehmerinnen ÖGS, DSGS und IS.