EFSLI 2025 – 13.09.25 Konferenztag 2

#efsliconference2025

Lindsey D. Snyder (University of Maryland). Theater ist politisch: Aus- und Fortbildungen von Dolmetschenden für die Darstellenden Künste im 21. Jahrhundert

In Zeiten der Kürzungen öffentlicher Gelder und ideologischer Reglementierung der darstellenden Künste – in den USA ist es ja heutzutage noch schlimmer als in Deutschland – ist die Bedeutung des Theaters als Ort des Widerstands um so wichtiger. Damit ist auch Zugang zum Theater um so politischer. Snyder nutzt Prism Theory als pädagogischen Ansatz, ein Modell das das Prisma als Metapher nutzt, um Pädagogik unter diesen Aspekten zu verstehen: 1) Erwerb von Kompetenzen, 2) Perspektivwechsel, 3) persönliche Entwicklung, 4) sozialer Aktivismus. Snyder argumentiert, dass wir es in unsere Arbeit tagtäglich mit Inszenierungen zu tun haben, die wir durchaus als theatralische Darstellung verstehen können, zum Beispiel die Reden von Politiker:innen (mein Kommentar: … nicht zuletzt sein Erving Goffmans dramaturgischer Ansatz, welche zwischenmenschliche Interaktion als Theater begreift). Daher sollten wir darstellende Künste in unseren Curricula aufnehmen.

Hier möchte Snyder mit interessierten Dolmetscher:innen Kontakt aufnehmen.

Camilla Warnicke, Catrin Thorin, Elin Svanerud, Jonas Brännvall, Magnus Ryttervik & Malin Tesfazion (Stockholm University). Kulturelles Wissen und Sprachliche Kompetenzen im akademischen Setting entwickeln.

Die Schweden haben ihren Studiengang vorgestellt und erzählt, wie sie ihren Student:innen Gehörlosenkultur beibringen. Dabei sind:

  • Bezahlte taube Teilnehmende Personen im Lehrbetrieb für Rollenspiele etc.
  • Zusammenarbeit mit tauben Rentner:innen
  • Gebärdensprachcafe
  • Studienaufenthalte (Day of Deaf People)
  • Mitarbeit in örtlichen Gehörlosenverbänden
  • Kick-off-Week am Beginn des 2. Semesters, zum einwöchigen immersiven Sprachaufenthalt bei bezahlten Tauben Gastgeber:innen
  • Zusammenarbeit bei behördlichen Maßnahmen für Arbeitssuchende taube Menschen (z. B. Rollenspiele)

Es ist schwierig, die Student:innen davon zu überzeugen, ihre Freizeit bei Tätigkeiten innerhalb der Gehörlosengemeinschaft zu verbringen und die dort geschaffenen Kontakte auch kontinuierlich zu pflegen. Auch die Diversität der Community kann hier nicht abgebildet werden. Es ist ein Balanceakt, bei der Platzierung der Student:innen die Community nicht zu stören oder auch auszunutzen, und auch die Community ändert sich fortlaufend, da müssen auch die Unternehmungen sich anpassen.

Carolin Denmark (Sorenson). Entwicklungsjahre: sind die GSD des 21. Jahrhunderts “kulturlos”?

Denmark zeigt eine Filmaufnahme von gebärdenden Geistlichen von 1933, um zu zeigen, wie lebhaft und humorvoll sie als Vertreter unterschiedlicher Generationen miteinander interagieren. Diese generationenübergreifende Interaktion fehlt ihr im heutigen Alltag, auch in den Dolmetschausbildungen. Sie fordert eine kulturelle Allianz zur Förderung persönlicher, immersiver Interaktion, um die Kultur nicht nur zu lernen, sondern auch am Leben zu halten.

Abschluss

Nach den Danksagungen für die großartige Arbeit der diesjährigen Organisator:innen verkündet DeafEfsli, dass sie demnächst Fortbildungen und Veranstaltungen anbieten werden. Die nächste Konferenz wird vom 10. – 13. September 2026 in Zagreb, Kroatien stattfinden und danach wird von 16. – 18. April 2027 die Konferenz in Berlin sein (ausnahmsweise im April, weil Wasli im September stattfinden wird). Das Motto für Zagreb wird “Education”, also Bildung sein. Vorschläge für das Thema für Berin, nehme ich dankend hier in den Kommentaren entgegen 🙂

… und hier unser Deutschland Gruppenfoto!

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