EFSLI 2025 – Pastel de Nata

#efsliconfrence2025

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Cristina Gil und ihr Team haben die diesjährige Konferenz in Lissabon organisiert. Sie zeigt im Video die Gebärde für die Nationalspeise Pastel de Nata. Die Ethnologie der Gebärde ist auch köstlich: Sie ist zurückzuführen auf Kinder, die die wabernde Vanillefüllung als “wie reingerotzt” zeigten – daher das Zuhalten eines Nasenflügels mit dem Daumen und der Flugbewegung der Rotze entlang des kleinen Fingers

Cristina Gil

EFSLI 2025 – Poster

#efsliconference2025

Von allen Postern kann ich leider nicht berichten, hier sind einige ausgewählte.

Azaria Francis und Helen Fuller. Über die Kluft: Ich bin ich aber wer sind wir?

Hallo, ich bin Helen – Ich bin Azaria und das ist unser Poster.

In diesem Poster geht es um die Reflexion kultureller Mediation in Dolmetschsettings mit Hilfe des Interpreting Power and Privilege Wheels (mitte). Wenn wir uns die eigene Verortung in diesem Rad in Bezug auf die Menschen, mit denen wir in den unterschiedlichen Settings zusammen arbeiten stets vergegenwärtigen, hilft uns das, unsere Beziehung im Machtgefälle der aktuellen Situation zu beurteilen und dabei die Mehrdimensionaliät und Dynamik unserer Identitäten zu Nutze zu machen, um aus den Identitäten, die in diesem Moment beziehungsförderlich sind, die Motivation für unsere Verhalten zu schöpfen.

Hier ist der Link zu einer Umfrage der beiden Autor:innen auf Englisch.

Helen Shingler. Die unerkannte kulturelle Kluft bezüglich Neurodiversität

Hallo, ich bin Helen. Tut mir leid, das hiesige Fingeralphabet fällt mir noch schwer. Hier geht es darum, wie wir als Dolmetschende den Bedarfen neurodiverser Kund:innen gerecht werden können.
Hier ist ein Link zur IS-Version.

Helen Shingler hat ein weiteres Poster im Angebot: Multitasking und immer Lächeln: Dein Deaf Heart behalten, während du gleichzeitig allerlei Herausforderungen beim Onlinedolmetschen jonglierst.

Shingler betont die Multitasking-Anforderungen bezüglich Onlinedolmetschen:

  • Interprersonal: Anrufer:innen, die mit der Anrufetikette nicht vertraut sind
  • Intrapersonal: Gibt es ein geteiltes Verständnis?
  • Paralinguistisch: Es ist wahrscheinlicher beim Onlinedolmetschen, dass überregionale Sprachnutzer:innen beteiligt sind und den Dolmetschenden unbekanntes Vokabular nutzen.
  • Umgebungsbedingt: Teilnehmer:innen können sich gegenseitig nicht sehen.

Dabei gibt es unterschiedliche kulturelle Prioritäten bei beiden Seiten, denn Taube Werte (nach Carol Lazorisak) sind: 1. Einstellung der Dolmetschenden, 2. Deren Fähigkeigen, 3. Deren Wissen. Dagegen sind die Prioritäten bei Hörenden wie folgt: 1. Wissen der Dolmetschenden, 2. Deren Fähigkeiten, 3. Deren Einstellung.

Für hörende GSD bedeutet das, dass ohne klare Strategien ethische Entscheidungen im Stress ad hoc getroffen werden, während der Anruf im Gange ist und das wiederum eine Tendenz zur Voreingenommenheit für die hörende Kultur zur Folge haben kann. Daher, so Shingler, sollten Dolmetschende sich eine Palette an Werkzeugen zulegen, die sie dazu befähigt, aktiv das gegenseitige Verständnis zu fördern, so wie im Poster von Mark Berry und Marlee Dyce dargelegt.

Und hier ist der Link zur IS-Version.

Mark Berry und Marlee Dyce. Was meinst du eigentlich? Sprachliche und kulturelle Feinheiten in anspruchsvollen Ferndolmetscheinsätzen meistern

Hallo, ich bin Mark. – Und ich bin Marlee. – Wir arbeiten bei Sorenson Communications. Hier beschäftigen wir uns mit der Herausforderung im Onlinedolmetschen, das Gehörte eben nicht wortgetreu in die Zielsprache zu übertragen, sondern das Gemeinte mitsamt feiner Bedeutungsnuancen zu erfassen und zielsprachlich zu formulieren. – Ja genau. Voraussetzung dafür ist es, sich vom Quelltext loszulösen. – Und durch die gewonnene Freiheit, die kulturelle Anpassung der Formulierung in der Zielsprache zu leisten.
Auf dem Poster ist ein Link zu einer Demo und einer IS-Präsentation

Fortbildung für Coda- und taube DolmetscherInnen 8. und 9. Juli 17

drittkultur„Drittkultur und Professionalität“
Mit Oya Ataman und Isabella Rausch in Berlin. Anmeldung hier.

am Sa. 08.07.2017 – 10:00 – 17:00 Uhr (1,5 Std. Mittagspause) am So. 09.07.2017 – 9:00 – 15:00 Uhr (1 Std. Mittagspause)

Dieses 2-tägige Wochenendseminar ist zugeschnitten auf CODA- und taube Dolmetscher-/innen. Miteinander reflektieren die Teilnehmer, was das Aufwachsen in der Taubengemeinschaft für sie als Dolmetscher mit sich bringt. Denn wer sich in der Zeit der persönlichen Reifung zwischen zwei oder mehreren Kulturen bewegt, erwirbt eine eigene, dritte Kultur. Je nach individueller Sozialisierung birgt diese Erfahrung Chancen und gleichzeitig Risiken. Seit Ruth van Reken und David Pollock 1999 das Phänomen der Third Culture Kids beschrieben haben, entwickelt sich eine globale Bewegung.

Die Berliner Gebärdensprachdolmetscherin Oya Ataman erweiterte van Rekens Beschreibung um Kindeitserfahrungen der Taubengemeinschaft. Durch Vorträge, in Einzel- und Gruppenarbeiten entdecken die Teilnehmer sich selbst im neuen Licht, erörtern und festigen im beruflichen Kontext unsere eigene Drittkultur. Ihre Wiener Kollegin Isabella Rausch leitet den psychotherapeutischen Teil des Seminars mit Übungen zur Reflexion und Auseinandersetzung mit sekundärem Trauma in unserem beruflichen Alltag. Zum Beispiel sind Settings, in denen Traumata der Gesprächsteilnehmer/-innen buchstäblich nur durch unsere Körper zur Sprache kommen, enorm belastend.

Durch bewusst gesetzte Grenzen kann das Verinnerlichen von traumatischen Erzählungen Anderer vermieden werden. Wir lernen Strategien kennen, die uns in brenzligen Situationen helfen, unsere eigene Traumata selbstgesteuert deaktiviert zu lassen.

Burn Out wird durch extremen emotionalen und physischen Stress verstärkt. Wenn wir unsere eigenen Grenzen schützen, schützen wir uns davor auszubrennen und können diesen wunderbaren Beruf viele Jahre ausüben.
Daher widmen die Dozentinnen dem bewussten Umgang mit sekundären Traumata besondere Aufmerksamkeit. Gerade die mögliche Verletzlichkeit, die Mitglieder einer unterdrückten Kultur entwickeln können, lernen die Teilnehmerinnen als Ressource zu nützen und in innere Stärke zu transformieren. In dieser Stärke gedeiht Resilienz, Dialogfähigkeit und Integrität, grundlegende Eigenschaften zur Entwicklung von Professionalität, langfristigen beruflichen Erfolg und Freude an der Arbeit.

Isabella Rausch und Oya Ataman sind international erfahren und mehrsprachig. Um einerseits eine optimale Teilnehmerzahl zu erreichen,

die für die Gruppenarbeit nötig ist und andererseits den Teilnehmer/-innen die Reflexion mit Kolleginnen zu ermöglichen, die sie noch nicht kennen, wird das Seminar im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschrieben.

Die Seminarsprache ist DGS und orientiert sich auch an den individuellen Sprachen der Teilnehmerinnen ÖGS, DSGS und IS.